Broken Helix
Okay, wenn immer Driver als schwerster Einstieg auf der PSOne zitiert wird, liegt es daran, weil niemand Broken Helix von Konami kennt. In 20 Minuten soll man in den unterirdischen Anlagen der Area 51 zwei Bomben entschärfen. Dabei muss man in drei Stockwerken mit kaum Hinweisen Sicherheitskameras ausweichen, Lüftungsschächte durchkriechen, Sicherheitskameras deaktivieren, Roboter fernsteuern, Selbstschussanlagen manipulieren, Gegner bekämpfen und falls man sich vor einer Kamera blicken lässt, halbiert das Spiel einfach die verbleibende Zeit, was dann fast einem zwangsläufigen Game Over gleichkommt.
Wenn man das geschafft hat, kann man sich trauen, zu speichern, dann hat man kurz Ruhe. Sehr kurz. Weil das Spiel ein Gesamtzeitlimit hat. Denn die US-Armee, die einen angeheuert hat, will im Anschluss alle Zeugen eliminieren und durchkämmt nach und nach jedes Stockwerk und bringt jeden Insassen um.
Wer die Bomben gelegt hat? Einer der Wissenschaftler, der... oh, seine Forderung habe ich vergessen. Aber er wäre eine der vier Handlungsoptionen gewesen für vier mögliche Enden. Die andere ist irgendjemand vom Geheimdienst, der einen heimlich kontaktiert - die ist auch der offensichtlichste Weg des Spiels, weil er einen immer wieder anfunkt und relativ klare Anweisungen gibt. Dem Weg bin ich auch gefolgt, weil das, ich habe die Enden nachgelesen, auch am ehesten zu dem führt, was man wohl ein Happy End nennen kann, weil das Forschungsprojekt, Superwaffen mit Außerirdischen-DNA zu züchten, zerstört wird und man lebend davon kommt.
Ein anderer Weg ist einer Journalistin zu helfen, die sich im Chaos eingeschlichen hat und man kann sich der gefangenen Königin der Außerirdischen anschließen, wird dann von ihr in eine Mutation verwandelt, verhilft ihr dann zur Flucht zum eingelagerten Raumschiff und fliegt mit ihr ins All.
Hilf man dem Wissenschaftler oder der Journalistin, geht man am Ende mit ihnen drauf, das las sich jeweils mehr wie ein spätes Game Over - aber ich schätze mal, beide sind moralisch etwas besser, weil dann die Weltöffentlichkeit etwas erfährt.
Mein Weg fühlte sich ziemlich früh ziemlich dreckig an, weil man die Journalistin halt dem Tod ausliefert, wenn man ihr nicht hilft. Kriegt man irgendwann übrigens dann über Funk mit, wenn die Soldaten sie erschossen haben. Es gibt eh sehr viel Sprachausgabe in dem Spiel, so regen Funkverkehr über der laufenden Action kenne ich in der Generation nur aus Burning Rangers, das dabei noch redseliger ist. Und der Gag ist: Die Synchro ist ziemlich gut. Die Hauptfigur wird vom deutschen Sprecher von Bruce Willis gesprochen, was einen gewissen Qualitätsstandard für Einzeiler wohl garantiert, aber auch alle anderen Figuren sprechen super, teils mit (nicht immer passenden) Dialekten. Das war eine sehr gute Leistung und dann versemmelt Konami ein Jahr später die meisten Synchros von Metal Gear Solid so schlimm, dass die Firma bis heute alles lieber auf Englisch und Japanisch belässt. Da fragt man sich noch viel mehr, wieso das bei Metal Gear Solid so schiefgegangen ist.
Man hat jedenfalls relativ viel Freiheit im Vorgehen und man kann an einigen Stellen auch die Pfade später noch wechseln, beziehungsweise auf einen anderen Weg zurückfallen, wenn diese Journalistin zum Beispiel unter Aufsicht des Spielers doch erschossen wird. Dann geht ihr Pfad natürlich nicht mehr weiter.
Aber der Zeitdruck ist echt kein Witz. Erst dachte ich, jedes Stockwerk hat bestimmt ein eigenes Zeitlimit, aber nein, das Militär nimmt sich jedes Stockwerk im konstanten Tempo vor und am Ende des Spiels kam ich vor lauter Feinden nicht mehr klar. Ich habe zwischen drei Spielständen gewechselt und kehrte zum ältesten zurück, um mit Vorwissen schneller zu sein und hatte dann gottlob die entscheidenden Minuten, die ich gebraucht habe. Bis man nämlich kurz vor Schluss eine Waffe der Außerirdischen findet, hat man gegen die Soldaten keine Chance - die Kommandeure sind dank spezieller Rüstung basierend auf außerirdischer Technologie bis zu dem Zeitpunkt auch tatsächlich unverwundbar. Ich hatte buchstäblich keine Möglichkeit, meine Aufgaben zu erfüllen, als das Militär den Reaktorraum quasi gleichzeitig mit mir erreicht hat. Hätte ich nur einen Spielstand gespeichert, hätte ich wohl ganz von Vorne beginnen müssen. Was machbar gewesen wäre, weil das Spiel keine vier Stunden lang ist, aber nichtsdestotrotz ärgerlich gewesen wäre.
Zur Mitte des Spiels hatte die Armee schon mal fast zu mir aufgeschlossen. Das Spiel ist dabei echt heftig, weil man wirklich hören konnte, wie die Soldaten ein paar Räume weiter Forscher erschossen, die hörbar um ihr Leben bettelten. Die USK-Freigabe war mit 16 da doch ziemlich zahm.
Die Idee hinter dem Spiel ist für sein Alter, Erscheinungsjahr 1997, auf Konsole auf jeden Fall ambitioniert, aber die Umsetzung ist einfach nicht gut genug. Die Steuerung hakelt bei fast allem, das Zeitlimit ist sehr knapp und das Kartenlayout phasenweise zu verwirrend. Dazu kommt zwar eine eigentlich passable Grafik, aber das HUD verdeckt ungefähr ein Drittel des Bildschirms, so dass der eigentliche Bildausschnitt ungewöhnlich klein ist.
Auf der PSOne habe ich ja vor sehr vielen Jahren noch ein weiteres Spiel gespielt, das ein Gesamtzeitlimit hat, Sentient, ein Sci-Fi-Adventure, in dem eine Raumstation aus dem Orbit in die Sonne zu stürzen droht. Da ging mir am Ende auch die Zeit aus und damals hatte ich nur einen Spielstand und musste ganz von Vorne beginnen (keine Ahnung mehr, ob das Spiel mehrere Spielstände erlaubt hat). Ich würde sagen, beide Spiele leiden darunter, dass sie ihr Gesamtzeitlimit zu eng gestaltet haben. Aber macht ein Gesamtzeitlimit Sinn, wenn es keinen Druck erzeugt? Das ist wohl der Grund, weshalb das Konzept nicht oft aufgegriffen wird. Wenn es knapp ist, kann es frustrieren, wenn es nicht knapp ist, hat es aber gar keinen Sinn.
Das Spiel ist kein Totalausfall, die Wertungen waren damals auch nicht schlecht sondern mehr im Durchschnittsbereich, aber es ist auch einfach nicht poliert genug. Deshalb ist, trotz aller Ansätze, zu Recht kein Kultklassiker aus dem Teil geworden,
Noch zwei PSOne-Spiele auf dem Zettel. Die beiden dürften aber immerhin ganz gut sein, die habe ich mir bewusst aufgehoben. Wenn ich hypothetisch mit Duke Nukem und Broken Helix aufgehört hätte, wäre das ein schales Finale geworden.