Man könnte statt eines Reboots oder Multiversums ja auch - hört mich bis zu Ende an, es klingt wie der Gedanke eines Irren - man könnte eine Geschichte auch abschließen
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Eine der schlimmsten Sachen in der heutigen Contentindustrie* ist, dass einfach niemals mehr auf ein Ende zugerarbeitet wird. Und das man niemals irgendwelche Leerstellen mehr für sich stehen lassen kann.
Ein Film wie Terminator 2, der ein wahnsinniger Erfolg war, würde heute niemals mehr ein solches Ende bekommen, welches eben wirklich offensichtlich als Abschluss gedacht war. Nein, die Post Credits-Szene würde jeden Gedanken an keine Fortsetzung zerstreuen.
Terminator 3, das man als einen der Startpunkte dieses schrecklichen Trends lesen kann, fand ich damals als Wiedersehen zwar schon irgendwie witzig, aber damals wusste ich noch nicht, was uns im Anschluss erwarten würde, nicht nur auf Terminator bezogen. Es hat quasi nichts mehr einen Wert, weil irgendeine Fortsetzung, Reboot, was auch immer, im Zweifel eh macht, was sie oder es will.
Ganz schlimm finde ich zum Beispiel das Konzept hinter der Serie Obi Wan. Auch wenn es nicht ausbuchstabiert wurde, konnte man damals schon davon ausgehen, dass Obi Wan sich eben knappe sechzehn Jahre (oder wie alt Luke sein soll) in dessen Nähe in der Wüste versteckt hat, weil er auf ihn aufpassen musste und weil er sich selbst verstecken musste. Aber wieso ihn nicht quer durch die Galaxis reisen lassen und mit Vader kämpfen lassen, was so zum Wiedertreffen im alten Film ganz sicher nicht passt?
Das Imperium war auch irgendwie bedrohlicher, als man glaubte, die letzten Jedis mussten sich wirklich verborgen halten. Damals, als es auch noch kaum welche mehr gegeben hat.
Es ist nicht jede Fortsetzung oder jedes Revival mit altem Cast schlimm. Den vorletzten Ghostbusters-Film fand ich einen hübsch gemachten Besuch in dieser alt gewordenen Welt. Frozen Empire dagegen - Puh, braucht man jetzt wirklich mehrere neue Filme?
Aber prinzipiell ist so etwas wie Ghostbusters, das halt keine dichte Geschichte erzählt hat, ein wesentlich besserer Kandidat für niemals endenden Content als Marken mit mehr Inhalt. Auf Videospiele bezogen wäre ein Ende für Mario Quatsch, Metal Gear Solid profitierte von einem Ende - was Konami in den nächsten Jahren gewiss nicht mehr respektieren wird (Metal Gear Solid V war ja schon arg überflüsig). Kingdom Hearts dürfte eher in die Kategorie fallen, dass es immer größerer Unsinn wird, je weiter man alles spinnen muss - ob es nun bisher super sinnig war oder nicht.
Ich weiß auch noch, wie viel spannender Assassin's Creed war, als man dachte, die Gegenwartsgeschichte läuft auf einen Klimax zu - was sie ja auch getan hat, aber im Anschluss plemperte alles vor sich hin.
Bei God of War dachte ich nach dem vorletzten Spiel ja, das würde ein Beispiel für eine gelungene, nicht notwendige Fortsetzung, aber Ragnarök hat das Niveau nicht gehalten, was auch an einem Ende lag, das gleich zwei Anknüpfpunkte für endlose Fortsetzungen gelassen hat, mit jeweils
Kratos oder Atreus. Und stattdessen wählt man für den nächsten Content noch eine dritte Möglichkeit. Tote dürfen niemals ruhen! Es braucht Content, Content, Content!
Deswegen lässt es mich auch ziemlich kalt, dass ich Horizon III dank Sonys Discabkehr vielleicht wirklich nicht mehr spielen werde. Der große Konflikt mit der KI wird entweder nicht zum Ende kommen oder die nächste Front wird angedeutet, denn die moderne Contentindustrie scheut Abschlüsse wie der Teufel das Weihwasser. Wie wenig Respekt die Contentindustrie vor Inhalten hat, merkt man an Horizon ja sehr schön, weil trotz des Cliffhangers bis heute offenbar keiner ernsthaft an dessen Auflösung gearbeitet hat.
Als ich aufwuchs, war nach drei Filmen oft Schluss, oder nach fünf bis sieben Staffeln einer Serie.
Und das war auch cool. Ich muss nicht wissen, was mein Held an diesem bisher nie erwähnten Sonntagnachmittag vor 20 Jahren oder dem Freitagabend 20 Jahre später gemacht hat oder tun wird. Ich habe mich stattdessen auf neue Helden und neue Welten gefreut.
Hätte das alles damals schon so funktioniert, hätte es niemals Matrix gegeben, niemals Assassin's Creed. Anstelle von Alf hätten wir die dritte Fortsetzung zu Bezaubernde Jeannie gesehen und statt Uncharted wären wir alle an Pitfall drangeblieben. Ich bin froh, dass es damals noch nicht wie heute funktioniert hat.
So, mein kleiner Rant ist jetzt fertig.
*Früher habe ich meine Wortschöpfung Kulturgüterindustrie verwendet, aber vor 20 Jahren gab es in den Chefetagen noch einen gewissen Respekt vor den Geschichten, die man vertrieben hat. Das ist lange vorbei.
Content, Content, Content!