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Der große Crash 2.0

Verfasst: 5. Okt 2026, 17:26
von Ryudo
Steigende Hardwarepreise, Fokusierung auf Abo-Modelle, Entlassungswellen und nicht zuletzt eine kreative Bankrott-Erklärung setzen die Spieleindustrie unter Druck.

Die Stimmen von Branchen-Veteranen, die ein düsteres Bild malen, häufen sich:
Brenda Romero erklärte, die Branche befinde sich aus ihrer Sicht in einer "wirklich schwierigen Phase". Sie zog dabei einen Vergleich mit dem Videospielcrash der 1980er-Jahre und deutete an, die aktuelle Situation könne sogar darüber hinausgehen.

Laut Ken Kutaragi verbirgt sich hinter aktuellen AAA-Blockbustern sogar eine fundamentale Krise, die durch den technischen Fortschritt und die daraus resultierende Grafikpracht kaschiert wird: „Moderne Spiele haben zwar gewaltig an Umfang gewonnen und sich grafisch enorm weiterentwickelt, aber der eigentliche Inhalt stagniert. Jüngste Veröffentlichungen haben diesen Eindruck bei mir nur noch weiter verstärkt“, so Kutaragi
Über Hardware, Abos und Entlassungen haben wir hier ja schon oft diskutiert, deshalb würde ich diesmal den Fokus gerne auf einen Punkt lenken, der mich in den letzten Monaten öfters beschäftigt hat: die kreative Bankrott-Erklärung
Klar freuen wir uns über die Spiele, die in nächster Zeit erscheinen: Ocarina of Time und Resident Evil Veronica werden bestimmt tolle Spiele, aber es sind halt auch „nur“ Remakes. Remakes, die wahrscheinlich noch unterhaltsamer sind als viele Neuentwicklungen gerade im AAA-Bereich, die alle nach dem gleichen Schema ablaufen.

Sehr ihr darin eine Gefahr? Befinden wir uns vielleicht bereits im größten Crash der Industrie seit den 80ern und merken es nur noch nicht?
Oder sind wir spielerisch auf einem so hohen Niveau angelangt, dass man nichts mehr verbessern kann?

Re: Der große Crash 2.0

Verfasst: 5. Okt 2026, 20:50
von Clawhunter
Ich vergleiche AAA ja gerne mit Marvel: Immer größer und prächtiger, aber gleichzeitig wird halt auch auf "safe" gespielt (Fortsetzungen; starke Marken; ewiggleiche Konzepte).
Genau wie Marvel juckts mich aber nicht, weil ich halt einfach dran vorbei gucke/spiele, Sachen mit niedrigem Budget halt (bei Film/Fernsehen bevorzugt halt nicht aus den USA), wo Originalität in Fülle existiert. Eigentlich ein bisschen wie Big Tech selbst: Das sind jetzt halt die Großen und sie machen den gleichen Scheiß den früher die Großen gemacht haben und sie damals verabscheut haben^^
Insofern ist eigentlich eher die Frage ob es kleine Player gibt, die es schaffen die Big Player abzulösen oder ob die kleinen Player ewig in ihren Nischen verharren müssen (was auch nicht schlecht ist; schlecht wäre/ist wenn sie halt alle reihenweise pleite gehen, was leider auch der Fall ist).

Bzgl. zu eintönigen Spielkonzepten will ich am liebsten immer die Frage stellen welche Genres oder Sub-Genres halt in letzter Zeit erwacht worden sind. Aber vielleicht ist diese Fragestellung noch zu breit gegriffen: Bei Filmen fragt ja auch keiner welche Genres in den letzten 20 Jahren erfunden worden (oder?^^). Die Gamesbranche selbst (und eben nicht nur die Big Player) ist ebenso erwachsen geworden.

Wie häufig erwähnt, hatte ich mir mehr von VR/AR/Bewegungssteuerung erhofft als es letztlich wurde. Weil ich glaube dass neue Steuerungskonzepte eines der wenigen Mittel sind mit denen neue Spielerfahrungen halt häufiger an der Tagesordnung stünden. Von AI habe ich grundsätzlich geringere Erwartungen was das angeht, aber das ein oder andere Originelle müsste da auch hervorspringen (neben 100fach so viel Trash wie heute schon).

Ich glaube im Multiplayerbereich gabs schon tolles Zeugs die letzten Jahre, das sehr originell ist. Wenngleich ich das halt nur sporadisch verfolgt habe, weil ich mir nicht den Ruck gegeben habe das selbst auszuchecken. Ich meine sowas wie Among Us und dieses neue Versteckspiel mit dem Ausmalen usw.^^
Und dass Dressmaker (Singleplayer!) ein Hit ist, wundert mich btw überhaupt nicht. Das war auch so ne Marktlücke irgendwie :)
Und ja: Alles natürlich kein AAA. Vielleicht steht der Begriff AAA künftig gar nicht mehr nur für Big Budget sondern für Big Budget und "altbekannt".

(PS: Mich bewegt viel mehr wie trashig viele Videospielstories sind^^ aber ich will hier nicht derailen und mache dazu ggf. demnächst einen Thread auf)

Re: Der große Crash 2.0

Verfasst: 5. Okt 2026, 22:22
von Ryudo
Erschwerend kommt aber doch hinzu, dass momentan weniger Risiko-Kapital in der Branche investiert wird. Viele Studios schrumpfen oder werden ganz geschlossen. Ninja Theory fällt mir da aktuell ein.

Re: Der große Crash 2.0

Verfasst: 5. Okt 2026, 23:16
von Clawhunter
Das finde ich aber gut, weil es imo auch quatschig ist, dass Entwickler dank reichen Gönnern (z.B. MS) durchgefüttert werden. Klar, MS hat mit ihrem Gamepass zur aktuell ruinösen Marktlage beigetragen, aber ehrlich gesagt haben sie den Prozess dahin ja nur beschleunigt; in Gang gesetzt war er ja eh schon.
Dumm ist natürlich dass Hardware viel zu teuer wird wegen RAMageddon; nur dafür kann in der Gamesbranche niemand was (naja, eine andere Abteilung von MS schon^^).

Mich nerven die 30% Zwangsgebühren in den Stores, weil die nen großen Impact auf die Profitabilität der Entwickler/Publisher haben. Natürlich nerven auch die Fehlentscheidungen der Manager, die zu viel Geld in Multiplayershooter gesteckt haben.
Und mich nervt dass sich beim Thema Geschäftsmodell so wenig getan hat. Ich bin immer noch der Meinung dass Shareware ein Comeback verdient hätte und eben nicht nur F2P und Vollpreis. Also mehr in Richtung Content Pässe, die man nachkauft wenn man halt schon dutzende Stunden Spaß hatte - aber halt nicht vorher 60-90€ fürs Spiel ausgeben muss! Weil es wäre schon cool wenn Spieler mehr ausprobieren könnten ehe sie (viel) Geld ausgeben (bzw es halt Alternativen zu F2P gäbe, die mich weniger jucken als F2P und trotzdem für arme Jugendliche in Frage kommen).
naja... Geschäftsmodell war vielleicht nicht so sehr das eigentliche Thema^^

Sogesehen stimmt schon wenn wir von den großen Konsolen (Xbox/PS) reden und eben von den großen Games - also die Games die es zu teuren Preisen auch in die Läden schaffen, kann man schon von einer Krise reden. Aber dann redet man halt auch einfach nur über einen kleinen Teilbereich der Gaming-Landschaft, muss man halt auch einfach so sagen^^
Und ich bin mir auch nicht so sicher ob GTA da nen echten Unterschied hin zum neuerlichen Boom einleitet. Klar, die Hardwareverkaufszahlen der Konsolen gehen hoch und das hilft Ubisoft/EA/Activision mit ihren AAA-Games - aber halt in erster Linie nur den Megablockbustern. Die Spiele eine kleine Stufe drunter werdens immer noch schwer haben. Ist vielleicht die spannendere Frage: Wie rettet man die AA-Games? Sowas wie Kane&Lynch oder Need for Speed? Wobei ehrlich gesagt können da heute echt kleine/neue Teams in die Bresche springen. Es braucht halt kein Megabudget mehr für AA-Games. Der Racer Trail Out wurde überwiegend von 3 Leuten entwickelt und es fühlt sich an als sei es von 20-30 Leuten!

Ich denke also die aktuelle Lage ist eher ein Gesundschrumpfen. Was allerdings für Konsoleros durchaus Nachteile hat.